Montag, 22. September 2014

Online-Tests zur Studienwahl - Hilfreiche Unterstützung oder wissenschaftlicher Unsinn?

GG-Berlin / pixelio.de
Wer sich hinsichtlich seiner Berufs- und Studienwahl grundlegend orientieren möchte, dem stehen drei Ansätze offen, die sich gegenseitig ergänzen: Die eigene Recherche, die Inanspruchnahme einer Beratung sowie diverse Eignungs- und Neigungstests.

Die Recherche ist durch das Internet sowohl leichter als auch schwieriger geworden, da nur noch der Fachmann im Überangebot der Informationen den Durchblick behält und einschätzen kann, welche Inhalte aktuell und seriös sind.

Daher werden Beratungsangebote immer beliebter, da viele eine neutrale und professionelle Zweitmeinung einholen möchten, um ihre eigene Recherche auf ein sicheres Fundament zu stellen.

Einen regelrechten Boom gibt es bei Online-Tests, die im Internet zuhauf angeboten werden und oft sogar kostenlos sind. Dabei muss man jedoch wissen: Zumeist werden sie als Marketing-Instrument verwendet, auch von seriösen Stellen wie staatlichen Universitäten. Man möchte die Studieninteressenten auf das eigene Angebot aufmerksam machen und ihnen eine erste Auswahl aus dem oft großen und verwirrenden Programm präsentieren.

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hat nun erstmals einige dieser Online-Tests auf ihre Qualität untersucht und die Ergebnisse in einer Studie veröffentlicht.

Um eine positive Nachricht vorwegzunehmen: Wer ohnehin schon weiß, was er studieren möchte, findet sich in solchen Tests zumindest bestätigt, denn viele der Verfahren gewichten das Bauchgefühl der Bewerber sehr stark. Wissenschaftlich ist dieser Ansatz jedoch nicht, und genau dies ist das Fazit der Untersuchung: Keiner der untersuchten Tests wurde methodisch für tauglich befunden.

Denn eigentlich sollten sich diese Tests ja vor allem an diejenigen richten, die bezüglich ihrer Wahl noch unsicher sind. Doch gerade die Unsicheren werden oft mit einer großen Auswahl und Bandbreite von Vorschlägen konfrontiert, die nichts miteinander zu tun zu scheinen haben und teilweise auch noch den eigenen Begabungen widersprechen.

Studienberater können diese Ergebnisse mit Eindrücken aus der Praxis bestätigen: Ratlose und verunsicherte Abiturienten kommen mit einem Packen von ausgedruckten Ergebnissen in die Beratung. Wer angegeben hat, gerne im Freien zu sein, wird sogleich ermuntert, Landschaftsarchitekt zu werden. Schüler mit massiven schulischen Problemen in naturwissenschaftlichen Fächern bekommen als Studienvorschlag "Luft- und Raumfahrtingenieur" - warum, lässt sich nicht nachvollziehen. Auch Berufe wie "Pastoralassistent" und "Mittelschullehrer für Italienisch" werden durchaus einmal ausgespuckt.

Solange diese Online-Tests kostenfrei sind, spricht nichts dagegen, den einen oder anderen zu probieren. Vielleicht stößt man ja auf ein Studienfach, das interessant klingt und das man nie in Erwägung gezogen hat. Keinesfalls sollte man die Tests jedoch als Ersatz für die anderen beiden Säulen - Information und Beratung - sehen, denn nur in einer persönlichen Beratung können die persönlichen Voraussetzungen, die individuellen Wünsche und Ziele sowie die beruflichen Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt angemessen berücksichtigt werden.

Freitag, 15. August 2014

Urlaubszeit - Wie uns eine Liegestuhl-Depression die schönsten Tage des Jahres vermiesen kann

Lupo / pixelio.de

Endlich frei! Das ganze Jahr haben wir uns auf den Urlaub gefreut und möchten Sonne, Meer, Kultur und gutes Essen genießen. Wären da nicht die destruktiven Gedanken, die uns ausgerechnet jetzt immer wieder durch den Kopf schießen würden und uns die Laune verhageln.

Wenn wir am Traumstrand liegen und dabei doch an den Konflikt mit unserem Vorgesetzten in der letzten Woche denken, so bedeutet dies vor allem eines: Unser Körper mag sich zwar schon im Urlaub befinden, unser Kopf ist aber mindestens noch zur Hälfte daheim.

Leider hilft uns die technische Entwicklung nicht gerade beim Abschalten. Kostenloses WLAN ist in den meisten Hotels mittlerweile Standard, viele Gemeinden rund ums Mittelmeer sind stolz auf "Free-WiFi"-Zonen am Strand, und unser Smartphone haben wir ja ohnehin dabei, um Fotos machen zu können. So passiert es vielen, dass sie am Ende vom Liegestuhl aus ihre beruflichen E-Mails abrufen, sich anschließend ärgern, daraufhin im Büro die zurückgebliebenen Kollegen anrufen und sich anschließend noch mehr ärgern: über die Arbeit, aber auch über sich selbst. Eine klassische Liegestuhl-Depression.

Wenn wir uns im Urlaub mit unseren beruflichen Sorgen beschäftigen, so bedeutet dies nichts anderes, dass es zuletzt daheim wohl etwas zu viel war und wir noch keine Gelegenheit hatten, die Erlebnisse zu verarbeiten. Jetzt, im Urlaub, ist die Zeit da, und so wird dieser Prozess nachgeholt. Genauso verhält es sich mit Erkältungen und anderen gesundheitlichen Beschwerden, die sich bei vielen Urlaubern pünktlich zu Beginn der Reise melden: Zuvor im Stress unterdrückte und nicht auskurierte Infekte brechen sich nun plötzlich Bahn, da man es sich ja jetzt "leisten" kann, krank zu sein - will heißen, man verpasst keine wichtigen Arbeitstage, muss sich nicht krankmelden.

Wer seinen nächsten Urlaub ohne Husten, Schnupfen und trübe Gedanken verbringen will, für den haben Experten einige Empfehlungen parat: So sollte man nach Möglichkeit bis zum letzten Arbeitstag alle laufenden Aufgaben so weit abarbeiten, dass einem nach der Rückkehr kein Berg ungelöster Altlasten erwartet - denn während der Abwesenheit kommen vermutlich ja noch neue To-Dos hinzu. Außerdem sollte man nicht direkt vom Schreibtisch ins Flugzeug steigen, sondern sich ein oder zwei Tage zwischen Urlaubsbeginn und Reiseantritt gönnen - Gleiches gilt übrigens auch für die Rückkehr. Drittens sollte man im Urlaub einen Ausgleich zum Alltagsverhalten daheim suchen. Das heißt: Wer beruflich ständig am PC und Telefon hängt, sollte im Urlaub die Finger davon lassen und den Kontakt zur Natur suchen. Wer hingegen einer körperlich anstrengenden Tätigkeit nachgeht, sollte sich im Urlaub verstärkt Ruhe gönnen und braucht kein schlechtes Gewissen haben, wenn er ganze Urlaubstage im Liegestuhl am Pool verbringt. Und für alle gilt: Smartphone bis zur Heimkehr im Flugmodus lassen!

Dienstag, 15. Juli 2014

Frust im Job: Nur jeder siebte Deutsche ist mit seiner Berufswahl rundum zufrieden

Cornelia Menichelli / pixelio.de


Karrierecoaches und Laufbahnberater stellen in ihrer täglichen Praxis übereinstimmend ein zunehmendes Interesse an beruflicher Neuorientierung und Weiterentwicklung fest. Eine von der Personalberatung Rundstedt in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage untermauert diese Beobachtung nun mit harten Fakten: Tatsächlich ist nur jeder siebte Deutsche mit seinem beruflichen Werdegang rundum zufrieden.

Die Gründe für den mehr oder weniger ausgeprägten Frust sind dabei vielschichtig: So hat mehr als jeder vierte Befragte das Gefühl, einen Beruf auszuüben, der nicht wirklich den persönlichen Neigungen und Interessen entspricht. Hier wirkt sich sicherlich negativ aus, dass die Entscheidung für eine Ausbildung oder ein Studium meistens in einem Lebensalter fällt, in dem viele sich noch nicht gut genug selbst einschätzen können.

Ebenfalls fast jeder Vierte würde seinen Beruf gerne selbstbestimmter ausüben und ihn besser mit familiären Verpflichtungen vereinbaren können. Auch dieses Ergebnis deckt sich mit dem Alltag in der Karriereberatung: Gerade bei gut und sehr gut qualifizierten Personen kommt häufig das Thema zur Sprache, dass sie sich nach einigen Jahren gesammelter Berufserfahrung zunehmend "bevormundet" fühlen und dadurch die Freude an der Arbeit leidet. Auch der Spagat zwischen Beruf und Familie ist im Jahr 2014 keinesfalls leichter geworden, sondern die Betroffenen werden zwischen den verschiedenen Ansprüchen teilweise regelrecht zerrieben und fühlen sich genötigt, unbefriedigende Kompromisse einzugehen.

Aus Sicht der Laufbahnberatung bleibt festzustellen, dass sich viele Arbeitgeber noch immer nicht ernsthaft genug mit den veränderten Ansprüchen ihrer Mitarbeiter beschäftigen und Gefahr laufen, hoch qualifiziertes Personal zu verlieren, das sie später nur noch mit großem Aufwand ersetzen können. Und viele Berufstätige werden ihre persönliche Weiterentwicklung auch künftig selbst organisieren, im Rahmen eines Karrierecoachings.

Sonntag, 15. Juni 2014

Wenn alle studieren wollen - die rasante Akademisierung in Deutschland

Peter von Bechen / pixelio.de

Noch in den Neunzigerjahren war es für die meisten Schüler und Eltern gar keine Frage: Haupt- oder evtl. Realschule, dann eine solide Ausbildung in einem Betrieb, der einen anschließend übernehmen würde und eine frühzeitige Lebensplanung ermöglichen sollte.

Heute heißt die Hauptschule Mittelschule, und selbst nach erfolgreich bestandener Realschule drängen viele gleich weiter auf die Fachoberschule, um das Abitur nachzuholen. Wer sich doch zunächst für einen Ausbildungsberuf entscheidet, denkt vielleicht bereits während oder spätestens nach der Lehre darüber nach, im Anschluss ein Studium zu absolvieren.

Im Grunde ist passiert, was die Politik wollte. Internationale Organisationen wie die OECD hielten Deutschland lange Zeit vor, dass die Akademikerquote hierzulande zu gering sei. Im internationalen Vergleich war sie das, und sie liegt sogar jetzt noch unter dem Durchschnitt. Doch wurde verkannt, dass unser duales Ausbildungssystem so im Ausland nicht existierte und lange bei uns gut funktionierte.

Nun streben 50% eines Jahrgangs auf die Hochschule, fast 60% haben die Studienberechtigung, die Hochschulen sind überfüllt, und immer mehr Studiengänge sind zugangsbeschränkt. Gleichzeitig können viele Ausbildungsplätze nicht mehr besetzt werden, das Handwerk sucht händeringend Nachwuchs, und in vielen Bereichen muss verstärkt auf nicht qualifiziertes Personal zurückgegriffen werden.

Dann ist die Lösung also ganz einfach? Zurück in die Ausbildungsbetriebe und in die Berufsschulen? Liegt es an den überzogenen Erwartungen von Jugendlichen und ihren Eltern, dass eine Berufsausbildung plötzlich nicht mehr als "angemessen" empfunden wird?

Aus Beratersicht stellt sich die Lage deutlich komplexer dar. Denn wer im beruflichen Alltag mit Menschen spricht, die nach einer absolvierten Berufsausbildung noch einmal die Schulbank drücken und ein Studium beginnen möchten, der erfährt: Die Probleme liegen oft auch in den Betrieben und in der Ausbildung.

Auf den Websites und in den Image-Kampagnen der Arbeitgeber und Industrie- und Handwerkskammern ist alles auf Hochglanz poliert, doch die Realität sieht oft freilich ganz anders aus: In nicht wenigen Betrieben werden Auszubildende auch heute als billige Servicekräfte missbraucht, geltendes Recht zu Arbeitszeiten und Überstunden wird einfach ignoriert, stattdessen wird Druck aufgebaut. Und der Lohn für all die Müh? Ein Einstiegsgehalt nach dem Abschluss, von dem man in größeren Städten wie München jedenfalls nicht wirklich leben kann, und ohne die konkrete Aussicht auf eine mittelfristige Verbesserung dieser Situation.

Das ist natürlich nicht unbedingt die Regel, aber auch keinesfalls die absolute Ausnahme. Auch im Jahr 2014, zeitgleich mit einem sich ständig verschärfenden Fachkräftemangel, haben zahlreiche Arbeitgeber noch immer nicht verstanden, dass sie sich nachhaltig um die langfristige personelle Besetzung ihrer offenen Stellen kümmern müssen. Fordern, natürlich, aber eben auch ernsthaft fördern. Stattdessen werden Azubis nicht selten genutzt, um diese Lücken erst mal irgendwie zu stopfen.

Und die jungen Leute? Ziehen desillusioniert ihre Konsequenzen und suchen nach Alternativen - immer öfter in einem Studium.

Montag, 12. Mai 2014

Berufliche Neuorientierung: Wunschtraum oder Realität?

Rainer Sturm  / pixelio.de

Am Ende des Urlaubs kommt der Frust: Nur noch wenige Tage, und dann geht man jeden Morgen wieder in dasselbe Büro, trifft dieselben Kollegen, befolgt die Anweisungen desselben Chefs und erledigt die immer gleichen Aufgaben. Wäre es nicht toll, ein Hotel zu eröffnen? Durch die Welt zu reisen und Armen und Benachteiligten zu helfen? Luxusimmobilien an reiche Kunden zu vermitteln?

In den Medien sieht, hört und liest man dann von spektakulären Fällen der beruflichen Neuorientierung: Angie Sebrich, ehemals Kommunikationsdirektorin von MTV, die ihren glamourösen Job aufgegeben hat und nun Jugendherbergsmutter in den bayerischen Alpen ist. Oder Dr. Markus Studer, Oberarzt für Herzchirurgie, der mit Mitte Fünfzig den LKW-Führerschein nachgeholt hat und anschließend am Steuer eines Brummis Speiseöle durch Europa karrte.

Das Gefühl drängt sich auf: Sich beruflich neu orientieren, das können nur die anderen. Die Überflieger. Man selbst geht also wieder in sein Büro zurück und arrangiert sich mit den Umständen. So schlimm ist es dort ja gar nicht, warum also ein Risiko eingehen? Und wer weiß, ob sich am Ende der ganze Aufwand lohnen würde?

Der Aufwand lohnt sich auf jeden Fall immer dann, wenn die innere Stimme regelmäßig und klar nach Veränderung ruft. Und beruflich neu orientieren kann sich jeder. Im Beratungsalltag sind die Wünsche jedoch häufig weniger spektakulär als es uns in den Medien vermittelt wird. Was eine gute Nachricht ist, denn realistische Veränderungswünsche lassen sich auch einfacher umsetzen.

Manche konnten nach der Schule kein Studium absolvieren und möchten dies nun endlich nachholen. Andere wurden von ihren Eltern in einen kaufmännischen Beruf gedrängt, wollten sich aber eigentlich schon immer sozial betätigen. Auch wer erfolgreich im Beruf ist, ist nicht immer automatisch glücklich mit seiner Situation.

Wer sich in diesen Zeilen wiedererkennt, sollte im ersten Schritt eine Bestandsaufnahme machen und seinen Veränderungswunsch konkretisieren. Anschließend wird ein Ziel definiert und die Strategie zur Zielerreichung ausgearbeitet - in dieser Phase ist es sinnvoll, sich kompetente Beratung von außen zu sichern. Der dritte und letzte Schritt ist dann die Umsetzung des definierten Weges. Auf diese Art und Weise kann jeder im Rahmen seiner Wünsche und seiner Möglichkeiten neuen Schwung in die berufliche Laufbahn bringen und sich weiterentwickeln.

Sonntag, 13. April 2014

"Wir müssen leider draußen bleiben" - Warum es immer schwieriger wird, einen geeigneten Studienplatz zu bekommen

lichtkunst.73  / pixelio.de

Lange Zeit wurde darüber geklagt, dass das deutsche Bildungssystem nicht genügend Akademiker hervorbringen würde. Doch mittlerweile ist die Trendwende da, und die Folgen sind nicht mehr zu übersehen: Deutlich über die Hälfte eines Jahrgangs verlässt die Schule heute mit dem Abitur, und meist mit dem Ziel, danach ein Studium aufzunehmen.

Was zunächst positiv klingt, führt zu allerlei Problemen: Unternehmen finden nicht mehr genügend Auszubildende und können sie oft nicht lange halten. Hochschulen ächzen unter dem wachsenden Zulauf und fragen sich, wie sie die Qualität der Ausbildung sichern können. Und Abiturienten wundern sich zunehmend, wenn sie mit dem Abschlusszeugnis in der Hand auf die Suche nach einem Studienplatz gehen.

Denn was viele bis zum Ende der Schulzeit nicht realisieren: Selbst ein gutes Abitur berechtigt nicht automatisch zum Wunsch-Studienplatz am Wunsch-Studienort. Und bei einem mittelmäßigen Notenschnitt wird die Auswahl der offen stehenden Studienmöglichkeiten auf einmal erschreckend überschaubar.

Fast die Hälfte aller Studiengänge an deutschen Hochschulen sind mittlerweile mit einem "Numerus Clausus" belegt, und der ist nicht selten happig. BWL an der Hochschule München: 1,6. Jura an der Uni Köln: 1,8. Psychologie an der LMU in München: 1,2. Und selbst Soziale Arbeit an vielen Hochschulen im Einser-Bereich.

Übrigens lässt sich erkennen, dass die Zulassungsbeschränkungen im Durchschnitt an den Fachhochschulen strenger als an den Universitäten sind, und dass inbesondere attraktive Wohnorte wie die westdeutschen Metropolen sehr überlaufen sind.

Wer also trotz eines nicht überragenden Notendurchschnitts im Abitur ein Studium aufnehmen möchte, das interessant ist, zur eigenen Persönlichkeit passt und das gute Zukunftsaussichten bietet, muss kreativ und flexibel sein: Flexibel, was Studienort und Hochschule betrifft, und kreativ, was die Suche nach einem Studiengang betrifft, der vielleicht weniger bekannt und daher nicht so überlaufen als "der große Bruder" ist, der aber genauso zum Ziel führt.

Montag, 17. März 2014

Massenstudium BWL: Wie sich Studierende erfolgreich von der Konkurrenz abgrenzen

Lupo / pixelio.de

Das Studium der Betriebswirtschaftslehre ist sowohl bei Männern als auch bei Frauen die Nummer 1 in Deutschland. Und so sind aktuell über 200.000 Studierende in einem betriebswirtschaftlichen Studiengang an einer deutschen Hochschule eingeschrieben.

Beim BWL-Studium schieden sich ja schon immer die Geister: Die einen sehen es als idealen Weg in eine gesicherte berufliche Zukunft, der dem Studierenden breite Möglichkeiten lässt und ihn nicht zu früh und zu sehr einengt. Andere kritisieren genau dies und unterstellen, dass nur derjenige Betriebswirtschaft studiert, der seine Stärken und Interessen nicht kennt und nichts mit sich anzufangen weiß. Und natürlich haben auch Banken- und Finanzkrise kräftig am Image der Disziplin gekratzt.

Wie auch immer: Bei derart hohen Absolventenzahlen ist die Konkurrenz groß, und der Berufseinsteiger kann sich heute definitiv nicht mehr so sicher wie früher sein, dass ihn sein BWL-Studium automatisch in Glück, Erfolg und Wohlstand führt. Welche Regeln gibt es also zu beachten?

Zunächst kann man Betriebswirtschaft fast überall und in den unterschiedlichsten Modellen studieren. Es gibt aber gewisse Hochschulen und Studienmodelle, die einen besseren Ruf genießen als andere. Man sollte sich also genau vorab informieren und beraten lassen, WO und WIE man sein Studium absolviert. Viele der angesehenen Programme sind übrigens mit hohen Zulassungshürden belegt; ein Studierender mit mittelprächtigen Noten kommt hier gar nicht ohne Weiteres hinein und weicht dann evtl. auf eine weniger angesehene Hochschule aus. Ob dies wirklich so klug ist, sollte man sich vorab gut überlegen.

Darüber hinaus zählt gerade beim BWL-Studium die Praxiserfahrung der Studierenden. Manche Studiengänge ermöglichen dies besser als andere, viele Programme haben den Erwerb beruflicher Erfahrung sogar fest integriert. Auch hier kann man viel richtig und einiges falsch machen: Wie viel Erfahrung bei welchem Arbeitgeber in welcher Position gesammelt wurde, entscheidet nach dem Abschluss maßgeblich über Qualität und Vergütung des ersten Jobs.

Schließlich gibt es mittlerweile zahllose kombinierte Management-Studiengänge, die neben BWL unterschiedliche Branchenkenntnisse oder Spezialisierungen vermitteln. Ohne intensive Beratung ist es kaum möglich, das gesamte Angebot zu überblicken und zu bewerten. Hier gilt es wieder, die Spreu vom Weizen zu trennen: Grundsätzlich sind diese kombinierten Studienangebote eine tolle Sache, aber wenn die Absolventen später auf den Arbeitsmarkt drängen, zeigen sich deutliche Unterschiede.

Kurzum lässt sich sagen: Zu einem Studium der Betriebswirtschaftslehre lässt sich weder grundsätzlich raten, noch lässt sich pauschal davon abraten. Und ja, fast alle BWL-Absolventen haben früher oder später irgendeinen Job, aber das gilt im Grunde für alle Hochschulabsolventen, egal welcher Fachrichtung. Wer im Beruf durchstarten will, sollte genau abwägen, für welches Studienprogramm an welcher Hochschule er sich entscheidet.

Montag, 17. Februar 2014

Der rote Faden im Karriere-Profil: Vorsicht beim Jobwechsel!

Reinhard Philippi  / pixelio.de


Ob durch das berufliche Umfeld bedingt oder selbst gewählt: Viele Lebensläufe werden heute immer bunter. Umwege, Umzüge, Neuorientierungen und auch so genannte "Brüche" in der Vita werden von der Ausnahme langsam zur Regel und von Personalverantwortlichen auch zunehmend positiv bewertet. Denn das wirtschaftliche Umfeld erfordert Anpassungsfähigkeit, kontinuierliche Lernbereitschaft und Spontaneität - und diese Eigenschaften kann man durch einen unkonventionellen Lebenslauf am besten belegen.

Eine bunte, unkonventionelle oder kreative Laufbahn kann aber auch ins Chaos führen, und nicht jeder Jobwechsel macht die betroffene Person interessanter. Im schlimmsten Fall kann eine neue berufliche Station das Profil sogar dauerhaft abwerten und dafür sorgen, dass man sich langfristig unter seinem Niveau und damit unter seinem Wert verkauft. Orientierungsberater und Karriere-Experten sind mit derartigen Fällen immer wieder in der Praxis konfrontiert.

Da ist zum Beispiel die hochprofessionell auftretende Assistentin der Geschäftsleitung, mit langjähriger Erfahrung im gehobenen Assistenzbereich, Auslandsaufenthalten im Lebenslauf und einem sehr guten Gehalt. Sie plant umzuziehen und gibt ihre Stelle auf. Doch der Umzug kommt nicht zustande, und gleichzeitig erwartet sie nun ein Kind. Nun ist sie auf der Suche nach einer adäquaten Teilzeitstelle, doch auch nach einigen Monaten hat sie noch nichts Neues gefunden. Plötzlich wird ihr eine Stelle in einem Call-Center angeboten. Die neue Stelle läge finanziell dramatisch unter ihrem bisherigen Level, aber sie könnte in Teilzeit arbeiten, und das Büro wäre ganz in der Nähe ihres Wohnortes. Soll sie sich darauf einlassen?

Es gibt einige gute pragmatische Gründe, die Stelle im Call-Center anzutreten, doch auch einen sehr guten Grund dagegen: Die Assistentin würde nicht nur viel weniger verdienen als vorher, ihre neuen Aufgaben lägen auch deutlich unter dem Niveau, das sie bieten kann. Und die berechtigte Frage ist, ob und wann die Rückkehr in eine adäquate Position möglich wäre. Die Gefahr ist groß, dass sie den Weg zurück nach oben nicht mehr schafft.

Sollte sie die Stelle also ablehnen und weitersuchen? Nicht unbedingt. Ein vorübergehender Verzicht auf Gehalt und Verantwortung kann sinnvoll sein, wenn die Perspektiven stimmen. Zum Beispiel wenn ihr die Möglichkeit geboten wird, ihre Stundenzahl allmählich zu erhöhen und längerfristig als Trainerin für neue Mitarbeiter tätig zu werden oder die Teamleitung zu übernehmen. Oder wenn sie durch flexible Arbeitszeiten die Gelegenheit bekommt, sich außerhalb der Arbeit weiterzuqualifizieren.

Und so ist die Geschichte ausgegangen: Die Assistentin hat den Job im Call-Center angenommen und dreieinhalb Jahre dort in Teilzeit gearbeitet. Es war nicht ihr Traumjob, aber die flexible Stundeneinteilung hat ihr die Möglichkeit gegeben, sich um ihren kleinen Sohn zu kümmern und im Fernstudium einen Hochschulabschluss in Internationalem Management nachzuholen. Nun hat sie eine gute Betreuungsmöglichkeit für ihren mittlerweile vierjährigen Sohn gefunden, den Bachelor in der Tasche und kann sich nach neuen interessanten Karriereperspektiven umsehen. Die Tätigkeit im Call-Center hat sich für sie also gelohnt, aber nur weil sie sich parallel dazu um ihre persönliche Weiterentwicklung gekümmert hat - familiär wie beruflich.

Die Devise heißt also: Augen auf beim Jobwechsel, und immer den roten Faden im eigenen Profil im Blick behalten!

Montag, 27. Januar 2014

Berufs- und Studienwahl: Wie man mit dieser Entscheidung professionell und dennoch entspannt umgeht

Erich Keppler  / pixelio.de

Berufsberater und Studiencoaches, ob sie nun angestellt oder privat tätig sind, erleben in Gesprächen fast täglich, wie sich junge Menschen bereits in der Entscheidungsphase für eine Ausbildung oder ein Studium massiv selbst unter Druck setzen. Die Wahl des Berufs wird zur wichtigsten, alles entscheidenden Frage, die alle Weichen in die Zukunft stellt - bei der richtigen Entscheidung ins Glück, bei der falschen Entscheidung ins Verderben.

Nun wird jeder erfahrene Berufsberater bestätigen, dass die richtige Berufswahl natürlich einen erheblichen Einfluss auf Zufriedenheit und Erfolg hat. Wer sich bei der Entscheidung jedoch zu sehr unter Druck setzt, erreicht nur Folgendes: Entweder blockiert er sich selbst derart, dass er zu gar keiner Entscheidung mehr fähig ist. Oder aber es wird rasch eine halbherzige und unüberlegte Entscheidung gefällt, um das Thema "offiziell abhaken" zu können.

In beiden Fällen ist eine professionelle Unterstützung durch einen Berater oder Coach sinnvoll. Denn unser Schulsystem ist nun mal so aufgebaut, dass man am Ende der Schulzeit nicht unbedingt weiß, welche Stärken man hat und welche Ziele man im späteren Leben erreichen will. Eine gewisse Ratlosigkeit und Unsicherheit sind also völlig normal und können sich gut beheben lassen, wenn man mit einer erfahreneren und verständnisvollen Person mit solidem Fachwissen über diese Themen spricht, um gemeinsam zu einem guten Ergebnis zu kommen.

Ebenso normal ist die Tatsache, dass man eine rasch getroffene Entscheidung für einen Beruf oder einen Studiengang früher oder später eventuell noch einmal überdenken muss. Manche Studierende quälen sich Semester über Semester mit mäßigem oder ausbleibendem Erfolg mit einem Studium, von dem sie schon lange wissen, dass es nicht das richtige für sie ist. Oder sie beenden eine Ausbildung, obwohl sie wissen, dass sie niemals im erlernten Beruf arbeiten werden oder möchten. Dahinter steckt entweder die Angst, eine Fehlentscheidung zugeben zu müssen, oder das Gefühl, es gäbe keine Alternativen. Auch hier ist das Gespräch mit einem professionellen Berater sinnvoll, um die Weichen neu - und diesmal richtig - zu stellen. Denn Fehlentscheidungen sind völlig normal und können uns Wege aufzeigen, wie wir es beim nächsten Mal richtig machen - vorausgesetzt, wir setzen uns damit auseinander und blenden die Realität nicht aus.

Sonntag, 5. Januar 2014

Stabil unzufrieden - Warum der Weg zur beruflichen Erfüllung so steinig sein kann

Rike  / pixelio.de


Wohl jeder kennt diese Situation: Man spricht mit Freunden, Bekannten oder Nachbarn, und alle scheinen sich über ihren Job zu beklagen. Man geht morgens ins Büro und trifft schon im Aufzug oder der Teeküche die ersten jammernden Kollegen. Eigentlich, so sollte man meinen, schreibt halb Deutschland eifrig Bewerbungen und sitzt in Vorstellungsgesprächen, um der aktuellen ungeliebten beruflichen Situation zu entkommen.

Doch Fehlanzeige: Denn auch in wirtschaftlich eher günstigen Perioden wie zurzeit hängen viele Arbeitnehmer an ihrem unbefriedigenden Job genauso wie an ihrem unproduktiven Jammern und Wehklagen. Psychologen haben herausgefunden, dass sich bei vielen hier Muster aus der Kindheit fortsetzen: Wie Schüler, die sich jahrelang über schlechte Lehrer, langweiligen Unterricht und ungerecht bewertete Schulaufgaben beklagen und dennoch jeden Tag zur Schule gehen (müssen), treten viele Berufstätige täglich den Weg in die Arbeit mit einer Mischung aus Resignation und Lähmung an, als gäbe es keine Alternativen. Dabei gibt es diese Alternativen fast immer, und sie liegen oft näher als vermutet. Nur müssen sie auch ergriffen werden. Und man muss sie auch ernsthaft ergreifen wollen.

Warum der Weg vom unproduktiven Jammern zum produktiven Handeln - der beruflichen Veränderung und Weiterentwicklung - so schwierig sein kann, wurde vielfach untersucht. Wirtschaftspsychologen und Karriereberater unterscheiden unterschiedliche Ursachen: In der Minderheit der Fälle ist das persönliche Qualifikationsprofil oder die Branche, in der die Person arbeitet, tatsächlich problematisch, sodass attraktive Auswahlmöglichkeiten fehlen. Auch hier muss man nicht resignieren, sondern kann nach aktiven Möglichkeiten suchen, das persönliche Portfolio so aufzuwerten, dass sich mittelfristige Chancen zur Verbesserung erzielen lassen. Doch meistens liegen die Ursachen für die berufliche Stagnation in psychologischen Blockaden: Man hat Angst vor einer Veränderung, weil man nicht weiß, ob sich die Situation dadurch wirklich verbessert. Man hat Angst davor, im neuen Job zu scheitern. Man hat eventuell sogar Angst davor, im neuen Job Erfolg zu haben, sodass man mehr Verantwortung trägt oder sich selbst fragen muss, warum man zuvor so viele Jahre lang vor sich hingedümpelt hat. Man hat Angst davor, die vermeintliche Sicherheit in der aktuellen Anstellung aufzugeben. Man fühlt sich seinem Arbeitgeber gegenüber verpflichtet und hat Angst vor dessen Reaktion und der Reaktion der Kollegen, falls man gehen sollte - werden sie einen als illoyalen Verräter verstoßen? Werden fast freundschaftliche und gewachsene Bindungen zu Kollegen abreißen?

All diese Ängste sind gut nachvollziehbar und verständlich, doch sie bringen einen nicht weiter. Wer beruflich unzufrieden ist und sich ernsthaft damit auseinandersetzen möchte, ist sich selbst gegenüber verpflichtet, aktiv zu werden und nach einer Lösung für seine Situation zu suchen. Genauso verständlich ist es, dass diese Suche nach der Lösung nicht einfach ist und man unter Umständen kompetente und neutrale Unterstützung von außen hinzuziehen sollte. Wer also alleine nicht weiterkommt und nach einiger Zeit feststellt, dass die Probleme bestehen bleiben und sich objektiv nichts an der Situation verändert hat, kann darüber nachdenken, einen Wirtschaftspsychologen, Coach oder Laufbahnberater aufzusuchen. Gemeinsam können die Ursachen analysiert und lösungsorientierte Ziele festgelegt werden. Empfehlenswert kann es auch sein, dass der Berater die Fortschritte begleitet und sicherstellt, dass die berufliche Weiterentwicklung zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht wird.