Sonntag, 5. Januar 2014

Stabil unzufrieden - Warum der Weg zur beruflichen Erfüllung so steinig sein kann

Rike  / pixelio.de


Wohl jeder kennt diese Situation: Man spricht mit Freunden, Bekannten oder Nachbarn, und alle scheinen sich über ihren Job zu beklagen. Man geht morgens ins Büro und trifft schon im Aufzug oder der Teeküche die ersten jammernden Kollegen. Eigentlich, so sollte man meinen, schreibt halb Deutschland eifrig Bewerbungen und sitzt in Vorstellungsgesprächen, um der aktuellen ungeliebten beruflichen Situation zu entkommen.

Doch Fehlanzeige: Denn auch in wirtschaftlich eher günstigen Perioden wie zurzeit hängen viele Arbeitnehmer an ihrem unbefriedigenden Job genauso wie an ihrem unproduktiven Jammern und Wehklagen. Psychologen haben herausgefunden, dass sich bei vielen hier Muster aus der Kindheit fortsetzen: Wie Schüler, die sich jahrelang über schlechte Lehrer, langweiligen Unterricht und ungerecht bewertete Schulaufgaben beklagen und dennoch jeden Tag zur Schule gehen (müssen), treten viele Berufstätige täglich den Weg in die Arbeit mit einer Mischung aus Resignation und Lähmung an, als gäbe es keine Alternativen. Dabei gibt es diese Alternativen fast immer, und sie liegen oft näher als vermutet. Nur müssen sie auch ergriffen werden. Und man muss sie auch ernsthaft ergreifen wollen.

Warum der Weg vom unproduktiven Jammern zum produktiven Handeln - der beruflichen Veränderung und Weiterentwicklung - so schwierig sein kann, wurde vielfach untersucht. Wirtschaftspsychologen und Karriereberater unterscheiden unterschiedliche Ursachen: In der Minderheit der Fälle ist das persönliche Qualifikationsprofil oder die Branche, in der die Person arbeitet, tatsächlich problematisch, sodass attraktive Auswahlmöglichkeiten fehlen. Auch hier muss man nicht resignieren, sondern kann nach aktiven Möglichkeiten suchen, das persönliche Portfolio so aufzuwerten, dass sich mittelfristige Chancen zur Verbesserung erzielen lassen. Doch meistens liegen die Ursachen für die berufliche Stagnation in psychologischen Blockaden: Man hat Angst vor einer Veränderung, weil man nicht weiß, ob sich die Situation dadurch wirklich verbessert. Man hat Angst davor, im neuen Job zu scheitern. Man hat eventuell sogar Angst davor, im neuen Job Erfolg zu haben, sodass man mehr Verantwortung trägt oder sich selbst fragen muss, warum man zuvor so viele Jahre lang vor sich hingedümpelt hat. Man hat Angst davor, die vermeintliche Sicherheit in der aktuellen Anstellung aufzugeben. Man fühlt sich seinem Arbeitgeber gegenüber verpflichtet und hat Angst vor dessen Reaktion und der Reaktion der Kollegen, falls man gehen sollte - werden sie einen als illoyalen Verräter verstoßen? Werden fast freundschaftliche und gewachsene Bindungen zu Kollegen abreißen?

All diese Ängste sind gut nachvollziehbar und verständlich, doch sie bringen einen nicht weiter. Wer beruflich unzufrieden ist und sich ernsthaft damit auseinandersetzen möchte, ist sich selbst gegenüber verpflichtet, aktiv zu werden und nach einer Lösung für seine Situation zu suchen. Genauso verständlich ist es, dass diese Suche nach der Lösung nicht einfach ist und man unter Umständen kompetente und neutrale Unterstützung von außen hinzuziehen sollte. Wer also alleine nicht weiterkommt und nach einiger Zeit feststellt, dass die Probleme bestehen bleiben und sich objektiv nichts an der Situation verändert hat, kann darüber nachdenken, einen Wirtschaftspsychologen, Coach oder Laufbahnberater aufzusuchen. Gemeinsam können die Ursachen analysiert und lösungsorientierte Ziele festgelegt werden. Empfehlenswert kann es auch sein, dass der Berater die Fortschritte begleitet und sicherstellt, dass die berufliche Weiterentwicklung zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht wird.

Keine Kommentare: