Montag, 17. Februar 2014

Der rote Faden im Karriere-Profil: Vorsicht beim Jobwechsel!

Reinhard Philippi  / pixelio.de


Ob durch das berufliche Umfeld bedingt oder selbst gewählt: Viele Lebensläufe werden heute immer bunter. Umwege, Umzüge, Neuorientierungen und auch so genannte "Brüche" in der Vita werden von der Ausnahme langsam zur Regel und von Personalverantwortlichen auch zunehmend positiv bewertet. Denn das wirtschaftliche Umfeld erfordert Anpassungsfähigkeit, kontinuierliche Lernbereitschaft und Spontaneität - und diese Eigenschaften kann man durch einen unkonventionellen Lebenslauf am besten belegen.

Eine bunte, unkonventionelle oder kreative Laufbahn kann aber auch ins Chaos führen, und nicht jeder Jobwechsel macht die betroffene Person interessanter. Im schlimmsten Fall kann eine neue berufliche Station das Profil sogar dauerhaft abwerten und dafür sorgen, dass man sich langfristig unter seinem Niveau und damit unter seinem Wert verkauft. Orientierungsberater und Karriere-Experten sind mit derartigen Fällen immer wieder in der Praxis konfrontiert.

Da ist zum Beispiel die hochprofessionell auftretende Assistentin der Geschäftsleitung, mit langjähriger Erfahrung im gehobenen Assistenzbereich, Auslandsaufenthalten im Lebenslauf und einem sehr guten Gehalt. Sie plant umzuziehen und gibt ihre Stelle auf. Doch der Umzug kommt nicht zustande, und gleichzeitig erwartet sie nun ein Kind. Nun ist sie auf der Suche nach einer adäquaten Teilzeitstelle, doch auch nach einigen Monaten hat sie noch nichts Neues gefunden. Plötzlich wird ihr eine Stelle in einem Call-Center angeboten. Die neue Stelle läge finanziell dramatisch unter ihrem bisherigen Level, aber sie könnte in Teilzeit arbeiten, und das Büro wäre ganz in der Nähe ihres Wohnortes. Soll sie sich darauf einlassen?

Es gibt einige gute pragmatische Gründe, die Stelle im Call-Center anzutreten, doch auch einen sehr guten Grund dagegen: Die Assistentin würde nicht nur viel weniger verdienen als vorher, ihre neuen Aufgaben lägen auch deutlich unter dem Niveau, das sie bieten kann. Und die berechtigte Frage ist, ob und wann die Rückkehr in eine adäquate Position möglich wäre. Die Gefahr ist groß, dass sie den Weg zurück nach oben nicht mehr schafft.

Sollte sie die Stelle also ablehnen und weitersuchen? Nicht unbedingt. Ein vorübergehender Verzicht auf Gehalt und Verantwortung kann sinnvoll sein, wenn die Perspektiven stimmen. Zum Beispiel wenn ihr die Möglichkeit geboten wird, ihre Stundenzahl allmählich zu erhöhen und längerfristig als Trainerin für neue Mitarbeiter tätig zu werden oder die Teamleitung zu übernehmen. Oder wenn sie durch flexible Arbeitszeiten die Gelegenheit bekommt, sich außerhalb der Arbeit weiterzuqualifizieren.

Und so ist die Geschichte ausgegangen: Die Assistentin hat den Job im Call-Center angenommen und dreieinhalb Jahre dort in Teilzeit gearbeitet. Es war nicht ihr Traumjob, aber die flexible Stundeneinteilung hat ihr die Möglichkeit gegeben, sich um ihren kleinen Sohn zu kümmern und im Fernstudium einen Hochschulabschluss in Internationalem Management nachzuholen. Nun hat sie eine gute Betreuungsmöglichkeit für ihren mittlerweile vierjährigen Sohn gefunden, den Bachelor in der Tasche und kann sich nach neuen interessanten Karriereperspektiven umsehen. Die Tätigkeit im Call-Center hat sich für sie also gelohnt, aber nur weil sie sich parallel dazu um ihre persönliche Weiterentwicklung gekümmert hat - familiär wie beruflich.

Die Devise heißt also: Augen auf beim Jobwechsel, und immer den roten Faden im eigenen Profil im Blick behalten!