Montag, 22. September 2014

Online-Tests zur Studienwahl - Hilfreiche Unterstützung oder wissenschaftlicher Unsinn?

GG-Berlin / pixelio.de
Wer sich hinsichtlich seiner Berufs- und Studienwahl grundlegend orientieren möchte, dem stehen drei Ansätze offen, die sich gegenseitig ergänzen: Die eigene Recherche, die Inanspruchnahme einer Beratung sowie diverse Eignungs- und Neigungstests.

Die Recherche ist durch das Internet sowohl leichter als auch schwieriger geworden, da nur noch der Fachmann im Überangebot der Informationen den Durchblick behält und einschätzen kann, welche Inhalte aktuell und seriös sind.

Daher werden Beratungsangebote immer beliebter, da viele eine neutrale und professionelle Zweitmeinung einholen möchten, um ihre eigene Recherche auf ein sicheres Fundament zu stellen.

Einen regelrechten Boom gibt es bei Online-Tests, die im Internet zuhauf angeboten werden und oft sogar kostenlos sind. Dabei muss man jedoch wissen: Zumeist werden sie als Marketing-Instrument verwendet, auch von seriösen Stellen wie staatlichen Universitäten. Man möchte die Studieninteressenten auf das eigene Angebot aufmerksam machen und ihnen eine erste Auswahl aus dem oft großen und verwirrenden Programm präsentieren.

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hat nun erstmals einige dieser Online-Tests auf ihre Qualität untersucht und die Ergebnisse in einer Studie veröffentlicht.

Um eine positive Nachricht vorwegzunehmen: Wer ohnehin schon weiß, was er studieren möchte, findet sich in solchen Tests zumindest bestätigt, denn viele der Verfahren gewichten das Bauchgefühl der Bewerber sehr stark. Wissenschaftlich ist dieser Ansatz jedoch nicht, und genau dies ist das Fazit der Untersuchung: Keiner der untersuchten Tests wurde methodisch für tauglich befunden.

Denn eigentlich sollten sich diese Tests ja vor allem an diejenigen richten, die bezüglich ihrer Wahl noch unsicher sind. Doch gerade die Unsicheren werden oft mit einer großen Auswahl und Bandbreite von Vorschlägen konfrontiert, die nichts miteinander zu tun zu scheinen haben und teilweise auch noch den eigenen Begabungen widersprechen.

Studienberater können diese Ergebnisse mit Eindrücken aus der Praxis bestätigen: Ratlose und verunsicherte Abiturienten kommen mit einem Packen von ausgedruckten Ergebnissen in die Beratung. Wer angegeben hat, gerne im Freien zu sein, wird sogleich ermuntert, Landschaftsarchitekt zu werden. Schüler mit massiven schulischen Problemen in naturwissenschaftlichen Fächern bekommen als Studienvorschlag "Luft- und Raumfahrtingenieur" - warum, lässt sich nicht nachvollziehen. Auch Berufe wie "Pastoralassistent" und "Mittelschullehrer für Italienisch" werden durchaus einmal ausgespuckt.

Solange diese Online-Tests kostenfrei sind, spricht nichts dagegen, den einen oder anderen zu probieren. Vielleicht stößt man ja auf ein Studienfach, das interessant klingt und das man nie in Erwägung gezogen hat. Keinesfalls sollte man die Tests jedoch als Ersatz für die anderen beiden Säulen - Information und Beratung - sehen, denn nur in einer persönlichen Beratung können die persönlichen Voraussetzungen, die individuellen Wünsche und Ziele sowie die beruflichen Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt angemessen berücksichtigt werden.